Der Berg ruft - einzigartige Momente auf 7365 ft.
Axalp-Ebenfluh 2008
Kennen Sie diese Situationen im Leben, in denen man extrem spontan, weit reichende Entscheidungen fällen muss? Entscheidungen die erst einmal völlig irrsinnig erscheinen. Manchmal muss man sich auf diesen Irrsinn einfach einlassen. Der Besuch der alljährlichen Fliegerdemonstration mit Scharfschiessen der Schweizer Luftwaffe auf der Axalp war eine ebenso spontane, wie weit reichende Entscheidung. Seit über drei Jahren planten wir Jahr für Jahr die Reise ins Berner Oberland. Jedes Jahr platzte die Tour - aus verschiedensten Gründen. In diesem Jahr hatten wir die Pläne schon im Vorfeld aufgegeben. Aber es kommt ja bekanntlich immer alles anders als man denkt. Erste Oktoberwoche 2008 - wieder einmal Axalp Woche. Montagmittag 11Uhr, Eingang einer SMS: ...Wetter gut, wir fahren!! Am nächsten Tag zur gleichen Zeit saß ich bei 20 °Grad und Espresso in Axalp-Dorf. Ein halber Tag blieb Zeit um den Urlaub zu Regeln, Geld zu wechseln und die jahrelang nicht mehr gebrauchten Bergstiefel zu reaktivieren. Noch ein wenig Schlaf und dann Abfahrt in Deutschland um 4 Uhr morgens.... Irrsinn.
Wenn man dann, wieder zu Hause, noch erzählt, dass man drei Tage lang um 4.30Uhr aufsteht, um ab 6.00Uhr morgens in absoluter Dunkelheit 550 Höhenmeter im alpinen Hochgebirge hoch zu wandern (oder besser sich hoch zu quälen), erntet man von "normalen" Menschen nur ein heftiges Kopfschütteln - Irrsinn eben. Aber zum Glück sind alle anderen "Normal", denn sonst wäre die Ebenfluh total überlaufen. Und was dort oben auf 2250m von der Schweizer Luftwaffe geboten wird, lässt sich nicht beschreiben. Es entschädigt auf jeden Fall für alle Mühen. Man MUSS es gesehen haben. Insidern ist die Veranstaltung auf der Ebenfluh schon lange ein Begriff und erzählt und geschrieben wurde sehr viel über sie, aber man muss den Mythos live erleben. Die Entscheidung zur Axalp zu reisen sehr weit reichend, denn wenn man einmal infiziert ist, kehrt man immer wieder zurück.
Morgens auf 7365 ft
Der Schiessplatz Ebenfluh der Schweizer Flugwaffe befindet sich auf 7365ft (2300m) im Berner Oberland. Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Zuschauerbericht, welcher zu Fuß erklimmt werden muss, ist das kleine Dorf Axalp. Die Axalp liegt auf 1600m und schon von hier, kann man den traumhaften Blick auf den Brienzer See und Brienz selbst werfen. Eine wunderschöne Alpenlandschaft mitten im Herzen der Schweiz. Leider bekommt man diese um 6 Uhr morgens noch nicht zu Gesicht. Wer zur Ebenfluh hoch will, muss früh raus. Bei völliger Dunkelheit beginnt der Aufstieg in Axalp - Dorf. Was folgt sind rund 2 Stunden Quälerei. Der letzte Anstieg zum "Tschingel" verlangt einem alles ab. Hat man es jedoch geschafft und steht völlig durchnässt am KP, entschädigt schon die morgendliche Kulisse für die Mühen.
Hornetīs in Action
Mit jeweils vier F/A-18C "Hornet´s" wurde das Fliegerschiessen an beiden Vormittagen eröffnet. Das reguläre Training der Schweizer Luftwaffe bot imposante Eindrücke. Die Hornets starteten vom Flugplatz Meiringen-Unterbach, welcher direkt im Tal liegt, und flogen dann, nach den präzise vorgegebenen Anflugrouten, ihre Mission´s. Bei 6-8 Anflügen wurden jeweils kurze Garben auf die Ziele abgefeuert. Vor allem die akustische Kulisse, welche von dem Klängen der einschlagenden Geschosse, den beiden General Electric F404Turbofan Triebwerken und natürliche der sechsläufigen 20mm M61 GAU-4 Vulcan Gatling-Maschinenkanone entstehen, wird man wohl auf keiner Airshow finden. Dazu kommt noch das enorme fliegerische Können der Schweizer Piloten, die mit ihren Hornet´s durch die engen Berg - Täler jagen, wie es wohl keine andere Luftstreitkraft der Welt in der Lage ist.
F-5 Tiger im Schiess-Training
Puma/Allouette
F-18 Solo Display
Das Solo Display der schweizer F-18 Hornet ist schon auf einem "normalen" Flugplatz eines der besten der Welt. Auf der Axalp gibt es das Display nun zwischen 3000m hohen Bergen. Ein akustischer und vor allem optischer Hochgenuss, wie Demopilot "Pipo" die Hornet durch die schweizer Bergwelt hetzt. Ablösungen beim Highspeed - Pass, fast ausschließlich Nachbrennereinsatz, und die einmalige Kulisse - eigentlich unbeschreiblich...
Fazit
Die Axalp hat mich zutiefst beeindruckt und man kann sie eigentlich nicht beschrieben. Prädikat besonders wertvoll, man muss es einfach gesehen haben. Beim finalen Abstieg am Donnerstag war zwar die Enttäuschung über die zweimal abgesagte Demonstration sehr groß, aber es war auch die allgemeine Vorfreude auf 2009 zu hören. Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage. Denn die erste Oktoberwoche 2009, (05.-09.10 mit den Showtagen am 07./08.10) ist wieder Axalp-Woche in der traumhaften Schweiz.
Mein Dank an meinen "Bergführer" und Freund Jürgen Moll, mit welchem ich diese schöne Tour zusammen durchführen konnte. Bis nächstes Jahr...
Impressionen
Text: © Mathias Grägel
Bilder: © Mathias Grägel / GME-AirFoto 2008