280.000 begeisterte Zuschauer

Airpower Zeltweg 2009

Nach vier Jahren Pause und einigen Problemen im Vorfeld um die Genehmigung der Show, fand nun vom 26.-28.06.2009 erneut die größte Airshow Österreichs, die Airpower auf der Airbase Hinterstoisser des Bundesheeres im steirischen Zeltweg statt. Das Land Steiermark, Red Bull sowie das Österreichische Bundesheer zogen bei diesem Gemeinschaftsprojekt an einem Strang, was folgte war ein Event der Superlative. Über 280.000!!! Zuschauer (30.000 mehr als in 2005) strömten an den beiden Tagen auf das Flugfeld um sowohl internationale Jetkunstflugteams als auch Düsenjäger, Klassiker der Luftfahrt oder moderne Air Race Demonstrationen hautnah zu erleben.
Bei meist traumhaftem Wetter zeigte sich die Steiermark von ihrer schönsten Seite und nicht nur die Piloten waren von der Gastfreundschaft der Steirer begeistert. Die Airpower 09 war die erfolgreichste aller Zeiten!!!

Als wir uns Freitagnachts gegen 3Uhr auf den langen Weg in die Steiermark machten, war es auf den Straßen noch leer, dunkel und ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm weckte Vorfreude auf die bevorstehende Supershow. Die einzige Aufregung gab es im Radio, wo der Tod Michael Jacksons nur kurz zuvor, schon fast Hysterie auslöste. Als nach ein paar Stunden Fahrt die Nacht langsam dem Tage wich und die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Bergen der Alpen hervorlugten, wurde aber auch diese ununterbrochenen Meldung langsam nervend und rückte beim betreten der Base in den Hintergrund. Ebenso nervend empfanden viele Zuschauer auch das Verkehrschaos, welches sich dann vor allem am Samstag rund um den Fliegerhorst bildete. Bis zu 30km Stau an diesem Tag und die Bitte per Radio, ab Mittag nicht mehr zur Airpower (AP) zu reisen, zeigen nochmals auf eher negative Weise, die Begeisterung der Österreicher für die AP. Und während an diesem Samstag halb Österreich unter den Ausläufern des Tiefs „Quinton“ stöhnte, hatte Zeltweg nach heftigen Regenfällen seit Donnerstag trockenes Wetter. Zwei kurze Schauer am Nachmittag beeinträchtigten weder Stimmung noch Flugprogramm, im Gegenteil die Besucher hatten sogar viel Spaß beim überstreifen des Regenschutzes aus Plastik.
Mehr als zufrieden mit der AirPower09 ist auch der Tourismus: „Die AirPower09 brachte enorme Wertschöpfung in die Region“, so Karl Schmidhofer, Sprecher der Urlaubsregion Murtal, geschätzte ca. 20 Mio. Euro (Kosten: ca. 3 Mio.) mit allein ca. 50.000 Übernachtungen im Murtal.

Österreichisches Bundesheer (Austrian Air Force)

Das Österreichische Bundesheer präsentierte seine komplette Palette an Waffensystemen. Zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde der immer noch umstrittene, neue Eurofighter Typhoon, welcher die altertümliche Draken seit 2006 (deren Flyout während der letzten AP05) ablöst. Während der AP waren schon 12 der 15 bestellten Maschinen nach Zeltweg ausgeliefert. Auf beeindruckende Weise wurde mit zwei EF ein Alarmstart mit dem anschließendem Abfangen eines "Eindringlings" (dargestellt durch die C130) in den öst. Luftraum demonstriert (Emergency scramble and interception). Die Typhoons bestachen mit extremer Wendigkeit im anschließenden kleinen Duodisplay und die Unkenrufe mancher Kritiker, "der Flieger braucht für die Umkehrkurve bis Wien", wurden im "engen" Zeltweger Tal sehr schnell widerlegt.
Neben dem neuesten und modernsten Jet, wurden auch die Trainer Saab 105, PC-7 und Transporter PC-6, C130K Herkules in Solodisplays vorgeführt. Die Helikopterflotte von Alouette bis S-70 Blackhawk war bei Demos verschiedenster Einsatzprofilen vertreten. Den großen Abschied im Rahmen der AP09 hatte die Augusta Bell 206 "Jet Ranger". Nach 40 Jahren Einsatzbetrieb wird der Schulungs- und Verbindungshubschrauber außer Dienst gestellt. Mit dem Flyout von sechs Jet Ranger der Hubschrauber-Lehrabteilung aus Langenlebarn ging in Zeltweg eine Ära im Österreichischen Bundesheer zu Ende. Die Flotte mit fast 100.000 Flugstunden wird durch acht Hubschrauber vom Typ "Alouette" III ersetzt.
Der große Partner der AP Red Bull war mit der kompletten Flotte der Flying Bulls in Zeltweg vertreten. Besonderes Augenmerk wurde natürlich auf das erstmals auf einer europäischen Airshow präsentierte neue Kronjuwel der Flying Bulls, der Lockheed P-38L Lightning, geworfen. Red Bull Air Race Weltmeister Hannes Arch zeigte mit der Edge540 nicht nur Kunstflug vom feinsten, sondern bot mit seinen Rennkollegen Matthias Dolderer, Peter Besenyei und Alejandro Maclean ein Mini Air Race. Andere Flugzeuge im Zeichen des Bullens waren u.a. die Eichhörner, das Blanix Team oder die "Red Bulls" Kunstflugstaffel.

The Flying Bulls (Corsair / Corba / P-38) - Red Bull Air Race

Hannes Arch Solo Display - Red Bull Stuff ;-)

Airshowprogramm

Das restliche Programm war zwar nicht ganz so stark besetzt wie noch in 2005, die damalige, mehr als gigantische Topshow zu wiederholen oder gar zu topen, dürfte auch nur sehr schwer möglich sein. Die Rekordkulisse in 2009 zeigte, dass die Veranstalter ein spitzen Programm auf die Beine gestellt haben. Noch dazu gehandicapt durch die nur sehr geringe Vorbereitungszeit. Die Airpower bot von allem etwas, von den fliegenden Raritäten der Flying Bulls bis zu den besten Kunstflugstaffeln Europas, vom Großraumflugzeug bis zum Kampfjet. Perfektion, Klasse und Stil stand bei der AP an oberster Stelle. Auch die Moderation dieses mega Events machte hier keine Ausnahme. Der Eurofighter-Pilot Roland Miedler - schon bei den Flugshows 2003 und 2005 im Einsatz - kommentierte zusammen mit der österreichischen Reporterlegende Heinz Prüller auf perfekte Art.

Oldtimer: Fokker DR I - Messerschmitt Bf109 - Catalina - DC2 - Hunter

Breitling Jet Team - L39 Slovakia - Team Orlik

F-16 Solo Displays (NL / BE)

An Flugzeugen bzw. Teams waren z.b. das bekannte, aber großartige F-16 Solo Display aus den Niederlanden, Breitling Jet Team, C27 Spartan, Patrouille Suisse oder das Team Orlik aus Polen tolle und interessante Programmpunkte. Die großen Highlights in Zeltweg boten neben den Fliegern des Bundesheeres waren vor allem das kroatische "Wings of Strom" Team auf ihren sechs Pilatus PC-9 Trainern, das Solodisplay des italienischen Eurofighers und die Turkish Stars auf 9x F-5 Jets mit ihrem unvergleichlichem Speaker.

Gripen Solo Display (Hungary Air Force) - Czech´s Gripen - PC21 - CH53 - C27J Spartan

Wings of Storm - Patrouille Suisse

AMI Eurofighter - Turkish Stars

Static Display

Das Static war ordentlich besetzt, wenn es auch kleiner, mit relativ wenigen Maschinen im Vergleich zu früheren Zeiten, ausfiel. Dies ist aber den großen Umbaumaßnahmen im Rahmen der Umstellung auf den EF zuzuschreiben. Das Airpower Areal hat sich verkleinert, hinsichtlich der Stellfläche wäre gar nicht viel mehr möglich gewesen. Der Schweizer Tiger - Hunter, die Ungarische Mig29UB sowie die einzige AB412SP der Slowenischen Luftwaffe waren besondere Schmankerl. Die Luftwaffe war mit dem Tornado / Eurofighter aus Schleswig bzw. Neuburg vertreten, die Marine schickte eine Do228. Neben den üblich vielen F-16´s (aus Belgien / Niederlande / Griechenland) war auch die USAF die mit F-15, KC-135R Tanker und die NATO mit einer Awacs präsent.

Mig 29UB - Tiger Hunter - PC7 Viper - F16D - AB412SP

Fazit

„Menschenmassen wie in Woodstock“ - Brigadier Karl Gruber, Projektleiter der AirPower09, kam schon am frühen Samstagnachmittag nicht aus dem Strahlen heraus. „So viele Menschen habe ich hier noch nie gesehen“, er hatte aber auch allen Grund zur Freude. Am Fliegerhorst Hinterstoisser sah es fast aus wie in Woodstock.
Die AirPower ist die bestorganisierte Airshow Europas und nicht nur wir durften diese bis ins letzte Detail perfekte Airshow so erleben. Auch zahlreiche Teilnehmer der Airshow sahen das so, z.b. der niederländische DC2-Pilot Dick Algra lobte den „perfekten Rundumservice“, Turkish Stars-Kommandant Zeky´ Kamy´LCelykkol „die steirische Gastfreundschaft.“ Die einzigartige Lage zwischen den Bergen tut ihr übriges zum perfekten Gesamtpaket Airpower bei.
Wir konnten zwei wunderbare Tage Airshow erleben und die Faszination des Österreichischen Volkes für ihr Bundesheer und die Art und Weise wie es in Zeltweg gefeiert wurde, war schön mit zu erleben. Hier in Deutschland sind solche Traumairshows ja leider nicht durchführbar. Respekt an die Österreicher.
Nach dem großen Erfolg soll es nun in 2011 wieder eine AP geben. Hoffen wir aus den zwei Jahren Wartezeit nicht wieder vier werden und freuen uns schon jetzt auf die nächste Supershow in der Steiermark.

Impressionen

Text: © Mathias Grägel
Bilder: © Charly & Mathias Grägel / GME-AirFoto Juni 2009